Neues Gesetz Sterbehilfe

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Waltraut
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Neues Gesetz Sterbehilfe

Beitrag von Waltraut »

Wenn ich so etwas was lese wird es mir Angst und Bange. Ich war 35 Jahre Altenpflegerin, Pflegedienstleitung und Heimleitung eines Seniorenheimes.
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Im Jahre 1989 habe ich ein Zusatzausbildung zur Heimleitung gemacht. Mein Abschlussreferat habe ich mit einem utopischen Film eingeleitet.

Der Titel des Filmes. " Im Jahr in dem Jonas 2000 wird."Der Film spielte im Jahre 2050 die Welt war überbevölkert. Keine Nahrung mehr. Kinder durften nur auf Antrag gemacht werden. Städte waren in Bezirke eingeteilt. In Arm und Reich.

In jeden Ort gab es einen Kuppelbau. Wurde jemand 60 Jahre musste er sich dort melden. Er wurde auf eine Liege gelegt durfte sich noch einmal einen Film aussuchen mit Landschaften die er einmal liebte. Dann bekam er eine Flasche Wein zu trinken und schlief für immer ein.

Am Abend bei der Abschlussfeier, sagte ein Professor zu mir, der Film war gut und gar nicht so utopisch wie sie es angekündigt haben.

So wie oben beschrieben fängt es an.

Wenn Ärzte, Pflegepersonal und Angehörige straffrei aktive Sterbehilfe leisten dürfen, ist der Schritt zur Nötigung es zu tun nicht mehr weit.

Das es in bestimmten Fällen, bei extrem schwerer und mit starken Schmerzen verbundenen Erkrankungen unter Bestimmten Umständen erlaubt werden sollte ist eine andere Sache.

Auf der einen Seite sorgt die Medizin dafür das wir immer älter werden. Siehe Transplantationensgesetz, man verdienst ja gut damit, wie die Pharamindustrie mit ihren Pillen auch. Nur wer soll das auf Dauer bezahlen, wo wird die Nahrung herkommen. Also muss eine neue Lösung her in Zukunft. Über die Zustände in der heutigen Zeit in Seniorenheimen mag ich gar nicht schreiben.

Nur eines, Hut ab vor den Menschen die heute noch Altenpflege lernen. Denn sie sind und bleiben überfordert. Schon heute ist kein Geld für eine ausreichende menschliche Versorgung da
Liebe Grüße Waltraut
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Volker
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Re: Neues Gesetz Sterbehilfe

Beitrag von Volker »

Moin-Moin

Habe ja vor 2 Jahren mit meinem 3 jährigen Staatsexamen in der Altenpflege begonnen. Habe in dieser Zeit viele unterschiedliche
Meinungen und Ansichten gehört und gesehen. Vor einigen Monaten war ich auch in Haltern am See zu einem mehrtägigen Sterbeseminar.
Sterbehilfe ist in Deutschland immer ein heikles Thema und hat durch die Euthanasie im dritten Reich immer einen bitteren Nebengeschmack.
Wir Deutsche tun uns sehr schwer mit diesem Thema, anders als andere Länder. ( Z.B. die Niederlande. )

Der Film ist ja wirklich nicht ganz so utopisch : siehe China und andere Länder. Dort gibt es bereits die Geburtenkontrolle und bei nichteinhaltung auch
empfindliche Strafen. So manches Neugeborene wird dort aufs Land zur Verwandschaft geschmuggelt. Und schaut euch doch mal in manchen Ländern die klar aufgeteilten Armen und Reichenviertel an.

Meine Meinung :
Jeder Mensch sollte das Recht haben über sein Leben und Tod selber entscheiden zu dürfen. Dabei sollte auch immer die jeweilige Biografie des Betroffenen berücksichtigt werden. Da beziehe ich z.B. auch Geisteskrankheiten oder dementielle Veränderungen mit ein. Die können den Lebensblick eines Menschen erheblich verändern und es stellt sich die Frage der verantwortlichen Führsorge.

Aber jeder Arzt, Pfleger und auch Angehörige sollten das Recht haben selber zu entscheiden ob sie aktive oder passive Sterbehilfe ablehnen oder nicht.
Denn diese Personen müssen mit ihrem Gewissen ihr Leben weiterleben. Momentan kann ich jedem nur raten, egal ob 20 oder 60 Jahre alt eine klar definierte Patientenverfügung zu schreiben und jährlich zu aktualisieren. Und wir müssen wieder lernen über das Thema : Sterben und Tod offen zu reden. Es gehört zu unserem Leben dazu!!!

Hier mal ein schönes Zitat was ich gelesen habe. Es stammt von einem berühmten Captain einer amerikanischen Fernsehserie :

"Jemand hat mir mal gesagt, die Zeit würde uns wie ein Raubtier ein Leben lang verfolgen. Ich möchte viel lieber glauben, dass die Zeit unser Gefährte ist, der uns auf unserer Reise begleitet und uns daran erinnert jeden Moment zu genießen, denn er wird nicht wiederkommen."
"Was wir hinterlassen ist nicht so wichtig, wie die Art, wie wir gelebt haben."
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Waltraut
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Re: Neues Gesetz Sterbehilfe

Beitrag von Waltraut »

Hallo Staba, ich habe in meiner Beruftätig bestimmt über 200 Menschen beim sterben begleitet. Oft habe ich mit Ärzten gekämpft um eine ordentliche Schmerzterapie.Ich kann von meinr Zeit in der Altenpflege mit gutem Gewissen behaupten, mir ist kein alter Mensch begegnet der den Wunsch geäußert hat. E rmöchte aktive Hilfe beim Sterben.
Es geht ausschließlich darum wie wird einen Mensch begleitet wie er angenommen wird in seinem Sterben. Niemand muß heute mehr mit Schmerzen sterben, dafür gibt es Terapien. Der Wunsch nach einem vorzeiteitigen Tod entsteht immer wenn wir den Menschen nicht annehemen, nicht genug begleiten und unwissende Ärzte Angst von der ausreichenende Gabe von Schmerzmittel haben. Tod wird in unsere Gesellschaft weggeschoben, ausgeklammert. Immer den anderen überlassen.
In diesem Sinne wünsche ich dir viel Kraft für deine Arbeit die wirst du brauchen. Nicht umsonst verlassen Pflegekräfte im Schnitt nach drei Jahren ihren Beruf. Ich habe es 35 Jahre ausgehalten, aber es war auch noch eine Zeit. Bis zur Einführung der Pflegeversicherung hatten wir auch noch Zeit für die Bewohner.
Liebe Grüße Waltraut
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Volker
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Re: Neues Gesetz Sterbehilfe

Beitrag von Volker »

Moin-Moin

Ja Waltraut möchte an dieser Stelle auch nochmals auf die wichtige Hospizarbeit hinweisen.
Die Mitarbeiter dort sind meistens immer sehr gut mit Schmerztherapien und dem Einsatz
von Schmerzmitteln vertraut. Habe vor ca. 8 Wochen das Hospiz bei uns in Hamm besucht und besichtigt.
Hatte sehr lange die Gelegenheit mit der Leitung dort zu sprechen.

Gruß...Volker
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Re: Neues Gesetz Sterbehilfe

Beitrag von Waltraut »

Ja die ist sehr wichtig, ich habe 2 Mal ein Praktikum in einem Hospitz gemacht. Natürlich sind die mit einem viel besserem Personalschlüssel ausgestattet. Auch die Schmerzterapie ist angemessen. Aber selbst gegen Hospitze haben Anwohner schon geklagt, da sie meinen ihre Grundstückspreise sinken wenn dauernt der Leichenwagen in der Straße steht. Glaub mir niemand interressiert dieses Thema ausser Menschen die täglich damit zu haben. :DA
Liebe Grüße Waltraut
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W.Pie.
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Re: Neues Gesetz Sterbehilfe

Beitrag von W.Pie. »

Um so älter man wird, denkt man mehr über sein Ende nach. Junge Menschen haben oft wenig damit "am Hut". Für mich ist das Problem viel größer. Es liegt nicht am Land sondern an unserem Gesellschaftsystem.
Wenn man meint das Gesundheits-/Pflegesystem immer mehr zu privatiesieren, braucht man sich nicht wundern, dass die Kosten für alles ins Unermäßliche steigen. Schließlich haben wir Kapitalismus und da muß Gewinn raus springen, egal wie.
Krankheit, Pflege, Altenpflege dürfte nie irgendwo Gewinn bringen, sondern müßte zum Selbskostenpreis erledigt werden.
Bei der heutigen Vorgehensweise wird bei jedem Gesetzt (sofern man sich überhaupt daran hält, denn hier gieb´s nur ein Gesetz und das heist Geld), sei es Pflege, Organspende (hatten wir doch gerade wieder ein Skandal) oder Sterbehilfe immer ein bitterer Beigeschmack bleiben.
MfG W.Pie. :I
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Re: Neues Gesetz Sterbehilfe

Beitrag von Waltraut »

Kein Gewinn, das sag mal den Kirchen die im Dienste der Nächstenliebe alles anbieten was Geld bringt. Ich stand Jahrelang in ihrem Dienst. Ich die Nächstenliebe, sie den Gewinn.
Und nun jammer sie nach Ehrenamtlichen, ich habe Ehrenamtlich in meiner Berufszeit so viel Überstunden gemacht. Hätte ich Rente für drei verdient. Zum Schluß bekam ich ein Vergelts Gott nach dem ich nicht mehr konnte. Private werden wenigsten kontrolliert, Kirchliche hatten bis noch vor nicht langer Zeit Narrenfreiheit.
Soziale Marktwirschaft brauchen wir. Geld gegen gute Leistung für umsonst muß keiner Arbeiten schon gar nicht in einem so schweren Beruf. Wer gute Pflege anbietet soll auch verdienen. Aber es muß im Verhältniss stehen. Ich Kunde, du Anbieter und Kontrollen staatlich ohne Voranmeldunbg wie es jetzt meistens ist. Und MDK Mitarbeiten müssen alle ein Praktikums Jahr in der Pflege machen, damit sie nicht auf die Idee kommen das man in 3 Minute einen Menschen duschen kann, wie mir bei einer Beurteillung passiert ist. :E
Liebe Grüße Waltraut
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Volker
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Re: Neues Gesetz Sterbehilfe

Beitrag von Volker »

Moin-Moin

Ohhh...MDK ist auch ein schönes Thema. Die sollten wirklich mal selber in der Pflege arbeiten.
Aber hauptsache die Dokumentation ist gut geführt. 2010 hatten wir eine Note von 3,2 von denen bekommen.
Dann kam ein Trägerwechsel und 2012 war es plötzlich eine 1,1. 2010 hatten wir noch mit DAN-Dokusystem handschriftlich
alles dokumentiert. Dann kam das computergestützte System. Das fanden die Damen und Herren vom MDK ganz toll.
Aber was hatte sich wirklich für die Bewohner verbessert???

Gruß...Volker
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W.Pie.
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Re: Neues Gesetz Sterbehilfe

Beitrag von W.Pie. »

...und genau das ist nicht mehr möglich, weil wir keine soziale Marktwitschaft mehr haben.
Natürlich bin ich auch der Meinung, dass das Personal in einem schweren Beruf ordentliches Geld verdient. Wie sieht denn aber die Realität aus? Geschäftsmänner machen Pflegedienste auf. Besorgen sich Personal , bilig vom Arbeitsamt ( oh Entschuldigung Job Center, denn das ist ja auch schon privatisiert und muß Gewinn bringen), stellen 400 € Jobber ein und die müssen dann unter den Zeitvorgaben der Herrenrasse die Pflege erledigen. Hauptsache es springt Gewinn dabei raus. Da helfen auch Vorschriften und Beurteilungen von Patienten nicht´s.
Was meinst Du, wie es bei uns auf dem Bau mit Arbeitsschutz aussieht. Na klar giebt es Gesetze. Die Strafen für den Unternehmer sind aber immer geringer als dass was er bei Nichteinhaltung eispart, also: entweder du gehorchst oder du fliegst.
Da giebt es keinen sozialen Faktor mehr.
MfG W.Pie. :I
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Re: Neues Gesetz Sterbehilfe

Beitrag von Volker »

Moin-Moin

Alle schreien das es zu wenig Pflegefachkräfte gibt. Aber warum ist das denn so.
Bei mir in meinem Altenheim hat kaum jemand eine 100% Stelle. Standart wird den
meisten ein 75% Flexivertrag angeboten. Aber junge Leute wollen nun mal eine volle Stelle.
Dabei sollte man wissen das man bei 100% in der Pflege 4 Tage im Monat frei hat. Viele wollen nicht ständig
über Jahre 12 Tage am Stück arbeiten und das bei Wechselschichten oder Nachtdienst.

Gruß...Volker
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